Aus dem Protokoll der Jury
Der Titel der Arbeit lässt ein weiteres Verdrossenheits-Traktat befürchten, doch weit gefehlt: Es ist die Geschichte einer Designerin, der auszog, die Parallelwelten des Design kennen zu lernen. Die Autorin macht sich auf den Weg zu höchst unterschiedlichen Begegnungen und Gesprächen. Es scheint keinen Plan zu geben, zu divers sind die Kapitel, zu tastend das Vorgehen, zu wenig bleibt als fassbares Ergebnis. Doch nach und nach versteht man, dass die Arbeit keineswegs ohne Ziel ist, dass sie vielmehr ein hoher Grad an Eigensinn auszeichnet, und dass sie ohne erkennbare Vorgefasstheit entstanden ist. Und man versteht, warum die Autorin sich so ernsthaft auf Gespräche über doch recht triviale DesignDinge einlässt. Man versteht, spätestens am Schluss der Arbeit, dass die Heterogenität der Kapitel insgesamt doch ein raffiniert geschnittenes Gesamtbild ergeben. Das alles ist geschrieben in einer sehr eigenen, um nicht zu sagen: eigenartigen Sprache, fast ohne Stanzerln und Stereotypien. (…)
Und was ist mit der Krise? Welche Antworten bietet der Text? Keine. Jedenfalls keine abgepackten, offensichtlichen. Auch das macht den Charme und die Klugheit dieser Arbeit aus, dass sie davon absieht, die Gespräche und Gedanken eigenmächtig zu Ergebnissen zu bündeln und unter die Leser zu bringen. Denn, wie es im Nachwort dieses Essays heißt, ebensoviel wie in den Zeilen, steht zwischen den Zeilen. Und was wir als Krise im Design wahrnehmen, so die muntere Quintessenz dieser Arbeit, ist vielmehr dessen Immanenz. Die Jury jedenfalls war mehrheitlich so beeindruckt, dass sie diese (durchaus angreifbare) Arbeit für Text, Sprache und Haltung mit dem Wilhelm Braun-Feldweg-Förderpreis auszeichnet.

Krisendesign ein Essay
Birgit Bauer 2004
Pdf 780 KB


<< News