Lachmuskeltraining
„Mehrlicht“ heißt eine Veranstaltungsreihe, die
von Alexander Branczyk und Daniel Schmidt betreut, der Professur für
Typografie an der Bauhaus-Uni in Weimar weitere öffentliche Wirkungsräume
beschert.
Als erste Ausstellungsaktion hat man in das am Frauenplan beheimatete
künstlerische Universalgeschäft „Glücklich eins“ einen
der renommiertesten Karikaturisten Deutschlands einladen können.
Beck, der vornamenlose Zeichner, der überregionale Publikationen
wie „Zeit“ und „Stern“ mit seinen Arbeiten
humorvoll bereichert, präsentiert für sieben Tage rund 300
seiner Cartoons. Mit Weimar verbinden ihn ein Architekturstudium und
persönliche Wurzeln, mittlerweile ist er in Leipzig beheimatet.
Sein markanter Strich mit leicht verschobenen Perspektiven erfasst
präzise und skurril Alltagssituationen, die er ironisch und witzig
spiegelt.
Wenn in einer Buchhandlung eine verschleierte Frau zwei Büchertürme
zum Einstürzen bringt, oder ein Toaster bekannte Werbebotschaften
verspricht, dann kommt Becks Botschaft still und hintersinnig, aber
nie zynisch daher. Obwohl er sich selbst nicht als politischer Karikaturist
sieht, sind seine Arbeiten durchaus von diesbezüglich aktuellen
Entwicklungen geprägt. Aber Beck verweigert sich intelligent dem
Klischee und geißelt, Rassismus, Managerdenken und Dummheit mit
entwaffnender Leichtigkeit. Ein würdiges und anspruchsvolles Aushängeschild
deutschen Humors, deswegen sei diese Kurzausstellung zum Trainieren
des Zwerchfells wärmstens empfohlen.
Matthias Huth |