Thüringer Anzeiger
14.05.2004

Lachmuskeltraining

„Mehrlicht“ heißt eine Veranstaltungsreihe, die von Alexander Branczyk und Daniel Schmidt betreut, der Professur für Typografie an der Bauhaus-Uni in Weimar weitere öffentliche Wirkungsräume beschert.
Als erste Ausstellungsaktion hat man in das am Frauenplan beheimatete künstlerische Universalgeschäft „Glücklich eins“ einen der renommiertesten Karikaturisten Deutschlands einladen können. Beck, der vornamenlose Zeichner, der überregionale Publikationen wie „Zeit“ und „Stern“ mit seinen Arbeiten humorvoll bereichert, präsentiert für sieben Tage rund 300 seiner Cartoons. Mit Weimar verbinden ihn ein Architekturstudium und persönliche Wurzeln, mittlerweile ist er in Leipzig beheimatet.
Sein markanter Strich mit leicht verschobenen Perspektiven erfasst präzise und skurril Alltagssituationen, die er ironisch und witzig spiegelt.
Wenn in einer Buchhandlung eine verschleierte Frau zwei Büchertürme zum Einstürzen bringt, oder ein Toaster bekannte Werbebotschaften verspricht, dann kommt Becks Botschaft still und hintersinnig, aber nie zynisch daher. Obwohl er sich selbst nicht als politischer Karikaturist sieht, sind seine Arbeiten durchaus von diesbezüglich aktuellen Entwicklungen geprägt. Aber Beck verweigert sich intelligent dem Klischee und geißelt, Rassismus, Managerdenken und Dummheit mit entwaffnender Leichtigkeit. Ein würdiges und anspruchsvolles Aushängeschild deutschen Humors, deswegen sei diese Kurzausstellung zum Trainieren des Zwerchfells wärmstens empfohlen.

Matthias Huth


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