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Rare Formulare
Der Bundesverband Druck und Medien verlieh kürzlich die Preise des 9. Formularwettbewerbs. PAGE sprach mit Jurymitglied Thomas Nagel von Xplicit Welch verheerende Folgen unübersichtliches Formulardesign nach sich ziehen kann, haben die Präsidentschaftswahlen in den USA eindringlicher denn je bewiesen. Allabendlich war im Fernsehen zu beobachten, wie drei- bis vierköpfige Teams in Florida die maschinenunlesbaren Lochkarten wie seltene Schriftstücke gegen das Licht hielten und mit vereinten Kräften zu interpretieren versuchten, welchen Kandidaten die Stimmen denn nun zuzuordnen seien. Neben allen politischen, rechtlichen und finanziellen Konsequenzen führte die Wahlzettel-Pleite auch noch zu derbem Imageverlust. Überspitzt gesagt: Wegen eines schlecht gestalteten Formular-Interface musste sich die Weltmacht Bananenrepublik schimpfen lassen. Auch hierzulande lässt die Formulargestaltung nach wie vor zu wünschen übrig. Noch immer müssen sich Antragsteller, Versicherungsnehmer oder Patienten durch kryptische Kästchen- und Linien-Labyrinthe quälen. Um die Formularkultur zu verfeinern, veranstaltet der Bundesverband Druck und Medien alljährlich den Formularwettbewerb, der diesmal sogar eine Verdoppelung der Einsenderzahlen verbuchen konnte. Etwa die Hälfte der Teilnehmer schickte Beiträge für die klassischen Kategorien wie Verträge, Anträge und Fragebögen, die andere Hälfte für den Bereich Geschäftsausstattungen. Unter den Siegerarbeiten zeichnete sich dann allerdings eine deutliche Überzahl der Geschäftspapiere ab. Das kann man einerseits positiv sehen – die Juroren beobachteten bei Gestaltung, technischer Ausführung und Konzeption der Firmendrucksachen als Werbe- und Imageträger deutliche Verbesserungen –, andererseits heißt das aber auch, dass nur wenig vorbildliche Formulare dabei waren. „Viele der guten Formulare werden leider immer noch nicht eingesandt“, meint Gerhard Sieber vom Bundesverband Druck und Medien. Jurymitglied Thomas Nagel von Xplicit in Frankfurt erklärt: „Bei den Formularen kamen wir sehr schnell überein; bei den Briefbögen diskutierten wir viel länger – hier spielten die unterschiedlichen Gestaltungsauffassungen der Juroren eine größere Rolle.“ Unter Leitung von Professor Friedrich Friedl hatten Vertreter unterschiedlichster Disziplinen ein Wörtchen mitzureden: vom Linguisten über den Gestalter bis hin zum Drucker. Besonders ausführlich debattierten sie über die per Siebdruck hergestellte Geschäftsausstattung des Münchner Gestaltungsbüros Umbruch, bei der Lack, Leucht- und Metallicfarben sowie Mikroperforation zum Einsatz kamen. „Manche Jurymitglieder meinten, diese Drucksachen seien zu schlecht lesbar. Dabei lassen sich ja bei der Anwendung per Laserdrucker die relevanten Informationen jeweils einfügen“, so Thomas Nagel. Seine Anregung: „Die Teilnehmer sollten nicht nur die Blankopapiere einsenden, sondern auch konkrete Beispiele, dann würde sich das Konzept besser erschließen.“ Letztlich setzten sich die Fürsprecher im Fall Umbruch durch: Das Gestaltungsbüro erhielt einen der beiden ersten Preise. Ob der Wettbewerb in Zukunft auch Online-Formulare berücksichtigen soll, darüber diskutiert der Bundesverband Druck und Medien weiterhin. Thomas Nagel meint dazu: „Man sollte auf jeden Fall eine eigene Kategorie dafür einrichten und einen Screendesigner in die Jury aufnehmen.“ Ansonsten appelliert er an alle Designer: „Mehr und vor allem bessere Formulare einsenden!“ jn Die
kostenlose Dokumentation können Interessierte unter gb@bvdm-online.de
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