| Design Rhein-Main, Teil 2 Design in der Zeit
ab den 20er Jahren |
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| In den 20er Jahren spielten angewandte Kunst und Design
auch im Bereich der Stadtplanung Frankfurts eine entscheidende Rolle. Schon
früh wurde ein moderner, sozialreformerischer Aspekt in die planerischen
Aufgaben eingebunden. Zur Behebung der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg
holt man 1925 Ernst May in die Stadt, der in seiner Aufgabe als Baudezernent
wesentlich mehr als nur die Beseitigung von Missständen sieht. Wohnungsbau
stellt für ihn einen Beitrag zur Volkserziehung dar, gute Wohnverhältnisse
schaffen zufriedene Menschen. Mays Ziel ist es, menschliche Bedürfnisse
in Architektur umzusetzen: Bezahlbare Wohnungen in großer Menge mit
guter Ausstattung; Lebensräume, die Gleichheit und Gemeinschaftssinn
fördern. May beruft den Architekten und Designer Ferdinand Kramer,
einen der bekanntesten Vertreter eines sozialreformerisch ausgerichteten
»Neuen Bauens«. Kramers Möblierungen der Siedlungen des
»Neuen Frankfurt« in den 20er Jahren und die Innenausstattung
der Universität gingen ebenso in die Annalen der Designgeschichte ein,
wie das berühmte, auf konsequente Funktionalität zugeschnittene
Urmodell der Einbauküche, die so genannte Frankfurter Küche der
Architektin Grete Schütte-Lihotzky. Zwischen 1925 und 1930 entwarf
und baute May mit großem Mitarbeiterstab sieben Siedlungen, deren
neuartige Architektur und Innenausstattung internationales Aufsehen erregten.
May wollte der Stadt Frankfurt aber auch in anderen Gestaltungsdisziplinen
ein neues, zeitgemäßes Gepräge geben. Dem Graphiker Hans
Leistikow erteilte er den Auftrag, den Frankfurter Adler im Stil der Neuen
Sachlichkeit zu überarbeiten. An der radikal vereinfachten Form des
neuen Adlers allerdings erhitzten sich die Gemüter derart, dass er
schnell zum »Skandalvogel« mutierte und nach kurzem Einsatz
1933 wieder »abgeschossen« wurde. Ebenfalls von Ernst May nach Frankfurt gerufen wurde Walter Dexel als Berater für Typisierung und Reklamegestaltung. Seine Werbelampen und Leuchtsäulen für Jena hatten May auf den Maler, Typographen und Gebrauchsgraphiker aufmerksam gemacht. In seinem 1927 erschienenen Text über die »Neue Typographie« bezeichnet Dexel die Vermeidung jeder persönlichen Note als Maxime für eine sachliche, vom Konstruktivismus geleitete Gestaltung. Dazu passte der Entwurf der klaren, auf geometrischen Grundformen aufgebauten Schrift Futura, die Paul Renner parallel zu seiner Lehrtätigkeit an der Frankfurter Kunstschule entwarf, ab 1928 von der Bauerschen Gießerei produziert und noch heute eine der weltweit bekanntesten und beliebtesten Schriftformen. Nach den progressiven Jahren des gestalterischen Aufbruchs folgten finstere Jahre der Restauration und des gestalterischen Rückschritts auf allen Ebenen. Der Versuch der Nationalsozialisten Frankfurt von der traditionell jüdisch geprägten Handelsstadt in die Stadt des deutschen Handwerks zu verwandeln war letztlich wenig erfolgreich, die dafür als Symbole vorgesehenen Gebäude und Brunnen wurden nie realisiert. In diesem Zusammenhang wurde 1933 auch das Frankfurter Modeamt gegründet. Mit Hilfe der »Fachgruppe Mode« der Städelschule sollte von hier aus die Bekleidungsbranche mit »deutscher Mode« beliefert werden. Ursprünglich sollte das Modeamt Frankfurt zur »Stadt der deutschen Mode« machen, die Entwürfe gingen jedoch nie in Serie. |
Links: Kultur in Frankfurt am Main (www.kultur.frankfurt.de) Angewandte Kunst und Design im Kulturportal der Stadt Frankfurt |